„Entrepreneurs face uncertainty that requires them to adapt to unexpected obstacles." — Balachandra, 2018
Wie Impro in unsere Lehre kam
Sowohl Moritz Mey als auch Prof. Dr. Denise Fischer-Kreer haben seit Jahren Erfahrung mit Improvisationstheater. In einem Gespräch über ihre geteilte Leidenschaft entdeckten sie schnell die Parallelen zwischen dem, was beim Hobby trainiert wird, und den unternehmerischen Fähigkeiten, die sie ihren Studierenden vermitteln wollen.
Die zehn Parallelen zwischen Bühne und Gründungspraxis
Im Mittelpunkt steht das Ausschalten des Bewertungsmodus, also jener inneren Stimme, die jede Idee sofort auf ihre Verwertbarkeit überprüft, noch bevor sie ausgesprochen wird. Stattdessen wird ein Experience Mindset trainiert: Erleben, ausprobieren, anpassen – und die Angst vor Fehlern hinter sich lassen.
1. Spontaneität und Flexibilität: Ohne festes Skript auf Überraschungen reagieren – auf der Bühne wie auf dem Markt.
2. Fehlerkultur und Risikobereitschaft: Fehler sind keine Unterbrechung, sondern eine kreative Ressource.
3. Kreativität und Innovation: Neue Ideen auf Knopfdruck.
4. Zusammenarbeit und Teamwork: Eine Szene gelingt nur gemeinsam. Ebenso ein Unternehmen.
5. Agiles Entscheiden im Moment: In volatilen Märkten wie auf der Bühne kostet Abwarten mehr als Handeln.
6. Publikumsorientierung: Wer das Publikum verliert, verliert die Szene. Wer Kunden ignoriert, verliert den Markt.
7. Resilienz und Stressbewältigung: Druck gehört dazu. Entscheidend ist, wie man damit umgeht.
8. Klarheit in der Kommunikation: Was nicht sofort klar ist, verliert die Bühne – und die Investoren.
9. Mut und Selbstwirksamkeit: Ins Ungewisse gehen, weil man dem eigenen Handeln vertraut.
10. Bricolage: Mit dem arbeiten, was gerade da ist – kreativ, pragmatisch und wirkungsvoll.
Die Übungen: Vom Wosh-Bang-Pow zur Vernissage
Nach einer kurzen Einführung in die Parallelen geht es sofort in die Praxis. Die erste Regel dabei lautet: „Es gibt keine Fehler – außer den Fluss zu unterbrechen.“ Mit Warm-ups wie dem Assoziationskreis, dem Fragenspiel und dem energetischen „Wosh-Bang-Pow” bauen die Studierenden schrittweise Hemmungen ab. Sie lernen, aufeinander zu hören und im Moment zu reagieren, anstatt nach der perfekten Antwort zu suchen.
Beim Bricolage-Spiel „Apfelbäumchen” wird kollektives Aufbauen aus dem Vorhandenen trainiert. Eine Person tritt in den Kreis, benennt sich als Teil eines Systems und alle anderen ergänzen das Bild spontan und ohne Vorbereitung. Eine einfache, aber wirkungsvolle Übung für das Denken in Systemen und das Nutzen vorhandener Ressourcen.
Den Abschluss bildet die Social & Environmental Issue Vernissage. In kleinen Gruppen wählen die Studierenden ein soziales oder ökologisches Problem. Dann haben sie Zeit, gemeinsam ein Standbild zu entwickeln: ein Tableau Vivant, in dem jede Person eine spezifische Rolle einnimmt und das Problem visuell auf den Punkt bringt. Kein Text, keine Folien. Nur Körper, Raum und Haltung. Auch so gelingt Storytelling.
Was bleibt
Der Effekt, dass Impropreneurwhip wirksam ist, ist über die Jahre hinweg konstant spürbar: Die Studierenden lernen sich besser kennen, ein Teamgefüge entsteht deutlich schneller und die Qualität der Vorträge steigt merklich. Die Hürde, vor anderen zu sprechen, haben sie im geschützten und spielerischen Rahmen des Improtheaters bereits genommen.
Was am ersten Tag beginnt, zieht sich durch das gesamte Modul. Wir greifen immer wieder Improvisationselemente auf, um Präsentationen zu üben und den Teamgeist zu stärken. Natürlich ersetzt Improtheater keine Wissensvermittlung. Wir kombinieren es daher bewusst mit Sachwissen, Gastredner:innen sowie unternehmerischen Strategien. Als Grundlage für Soft Skills und für die Dynamik im Raum ist Improtheater jedoch hervorragend geeignet, um die Art des Denkens zu öffnen und zu verändern.
Im Laufe des Moduls entwickeln die Studierenden echte Lösungsansätze und tragfähige Geschäftsmodelle. Der Weg dorthin beginnt mit der Fähigkeit, Unsicherheit auszuhalten und trotzdem in die Mitte des Kreises zu treten.
„Improvisation ist die Kunst, damit vollkommen einverstanden zu sein, nicht zu wissen, was man tut." — Mick Napier